SPAZIERGANG IN DEN KREATIVGÄRTEN MIT MARTHA

Im "Zauberwald"

 

Ich gehe gern durch die Kreativgärten in Darup, entdecke, beobachte, lese, fotografiere, lasse mich inspirieren ...

 

Es genügt nicht, die Straße zwischen den beiden Gärten rechts und links zu gehen. Die ganze Vielfalt der Vegetation mit ihren faszinierenden Farben, Formen und Düften, der Themenbereiche mit ihren Begriffen und Erläuterungen, der kreativen Gestaltungsideen, der gesammelten Zitate aus Philosophie und Poesie erschließt sich erst, wenn man auf den schmalen Wiesenpfaden ins Innere der Gärten vordringt, vielleicht auf einer der vielen Sitzgelegenheiten Platz nimmt und das Schwirren und Summen der Bienen, Hummeln und anderen Insekten beobachtet.

 

Hier kann man für eine Weile in eine andere Welt eintauchen, hier kann die Seele zur Ruhe kommen ...

                                

                                   Ursula Sewing

                   

Info

 

Wir bräuchten vier Planeten,

wenn alle so leben würden,

wie wir es tun.

Kennzeichen für eine Post-Wachstumsgesellschaft sind:

Kein zwangsläufiges wirtschaftliches Wachstum;

nicht-materielle Wohlstandsziele wie:

Zeitwohlstand,

Nachhaltigkeit durch sozial-ökologische Innovationen,

Entschleunigung,

Entflechtung,

Entrümpelung,

Entkommerzialisierung.

 

              Gerrit von Jorck

              Institut für ökologische

              Wirtschaftsforschung

              Berlin

 

Es ist ein schöner Junitag, es ist warm, die Sonne scheint und lässt alle Farben erstrahlen, also der richtige Tag für einen Spaziergang durch die Kreativgärten mit Martha Wieskus.

Auf der linken Gartenseite betrete ich einen kleinen Wiesenweg, gehe über die schmale Holzbrücke und werde von Martha lachend empfangen:

 

Willkommen im Zauberwald.

 

Ja, dieser kleine "Wald" hat wirklich etwas Verzaubertes.

 

 

 

Der Weidenwald

Martha:

Also hier stehen wir im Zauberwald. Das ist ein Weidenwald. Die Weide ist ja ein Universalgewächs, was eine immense Lebenskraft hat. Man kann einfach so einen Weidenschößling in die Erde setzen, so wie wir das hier auch gemacht haben. Und daraus entstehen dann die Bäume. Das ist irgendwie so ein Urgewächs.

Wir haben hier verschiedene Weiden, u.a. die echte Korbweide, die hier heimisch ist, wo man früher und auch heute noch die Körbe draus machte. Und dann haben wir hier auch noch andere Weiden, das sieht man ja an den unterschiedlichen Blättern. Es gibt so viele Weidensorten. Und das Ziel ist, hier so einen Weidentunnel zu bauen. Das soll noch ein bisschen höher werden, und dann werden hier die Zweige verbunden, dass hier so ein richtiges Gewölbe entsteht.

Es ist geplant, diese Gänge in so eine Art Laubengänge zu verwandeln im Laufe der Zeit, dass also solche Pflanzen wie hier miteinander verflochten werden, ja, und das soll sich durchs ganze Gelände ziehen, dass man sich hier durch solche Bögen bewegt. Die Bögen sind also in diesem Fall Weiden.

 

Wir gehen langsam weiter, am Weg und mitten in den Beeten sieht man kleine Flaschen, Tonscherben oder Glasflächen, auf denen handschriftlich die Pflanzennamen, die physischen, psychischen und spirituellen Wirkungen oder Zitate notiert sind.

 

 

Die Heilpflanze Alant

Martha:

So, hier bewegen wir uns nun in dem ersten Themenbereich, den wir hier haben, die Heilkräutergärten. Ziel ist, hier die Volksheilkunde überhaupt mal sichtbar zu machen. Das ist das Wissen unserer Vorfahren, die noch ohne Pharmaindustrie klarkamen und überlebt haben.

U.:

Manchmal besser.

 

Engelwurz

Ja, und in diesen Gärten geht es also darum, dieses alte Volkswissen wieder präsenter zu machen. So, hier stehen wir jetzt gerade bei der Engelwurz, einer sehr vergessenen Pflanze, aber früher gehörte die in jeden Garten. Das ist so ein klassisches Magen-/ Darmmittel, ist auch in jedem Kräuterlikör vorhanden, die wir alle kennen, wie in Jägermeister, Kümmelmann und Lümmelmann, und wie die alle heißen. (Sie lacht.)

Martha:

Ich meine, Heilkunde gehörte zum Volkswissen. Es gab natürlich immer Leute, in jedem Ort, die dafür ein besonderes Faible hatten, ja, eine besondere Verbindung dazu hatten, die dadurch, dass das Wissen von den Vorfahren einfach so mündlich weitergegeben wurde, gerade hier auf dem Dorf, die Heilkunde ganz normal anwandten. Ich kenne das noch von meiner Mutter, das Wissen um die Heilpflanzen. Ja, sie hat Heilpflanzen gesammelt, ganz normal, für ihre Tiere, für ihren persönlichen Bedarf. Die haben ihre Tiere nicht geschlachtet, wenn sie Maul- und Klauenseuche hatten, sie haben sie gesund gepflegt, z.B. mit Kamille. Das erzählte meine Mutter immer wieder. Man hat die Tiere immer wieder gewaschen mit Kamilletee, sie drin gebadet. Da sind natürlich auch Tiere an der Krankheit gestorben, aber nicht in dem Maße, wie wir das heute kennen, dass ein ganzer Bestand einfach abgeschlachtet wird, sondern, wenn die so eine Behandlung überlebt haben, waren sie immunisiert.

Und die Menschen hatten natürlich auch einen ganz anderen Kontakt zu den Tieren, und sie haben die gepflegt.

 

Ich sehe die Anwendung von Heilpflanzen als revolutionären Akt an: Pflanzen wachsen überall - wir alle können uns ihrer bedienen und so unsere Abhängigkeit vom pharmazeutisch-medizinischen Establishment verringern.

                                                                                                            Elisabeth Brooke

Immergrün

Martha:

In diesem Jahr habe ich so die Idee, dass ich diese verschiedenen Gartenbereiche gar nicht mehr so getrennt halte. Z.B. jetzt habe ich hier Stangenbohnen. Wieso muss alles so komisch geordnet sein, da ist das, hier ist dies, sondern das ist so eine Form von Mischkultur, die ich erst mal inspirierend finde. Da gibt es Überraschungselemente, da ist dies, und da ist das. Dies zum Thema Blickwinkelveränderung.

Was sich durch das ganze Gartengelände zieht, das ist das bewusste Zulassen von Wildkräutern. Das hier z.B. ist so eine Kleeart. Darunter haben wir wieder etwas anderes, das ist Mauerpfeffer. Hier den Baldrian habe ich bewusst dahin gesetzt, und das andere wird bewusst stehen gelassen.

Totholzhaufen

Und das Schöne dabei ist, man sieht, wie die Insekten diese Blüten anfliegen. Das ist eben auch ein wesentlicher Gesichtspunkt in unserem Garten: Lebensräume zu schaffen für Tiere.

Da stehen wir gerade vor so einem Totholzhaufen - davon gibt es viele in unserem Garten.

U.:

Was passiert da drin?

 

Martha:

Das ist das Bienenhotel, wofür du im Baumarkt diese Kisten kaufen kannst, die haben nur das Problem, dass die für die Tiere gar nicht geeignet sind, obwohl sie dies angeblich sind. Also das Beste ist, so was zu machen, einfach Totholz zu sammeln, das fällt ja in jedem Garten an.

U.:

Und gehen die Bienen da rein?

 

Martha:

Ja, genau. Die suchen sich schon ihre Lebensräume. Aber auch Wiesel und Mäuse und alles mögliche an Kleintieren lebt da. Wenn wir das da jetzt auseinandernehmen würden, Uschi, da würden wir ganz vieles finden.

Dahlie

Und dazwischen haben wir natürlich alle möglichen Pflanzen. Hier stehen z.B. Dahlien. Unser Ziel ist aber, nicht konsequent, aber möglichst, offene Blüten zu haben, weil das die Grundvoraussetzung ist für Nektar - für die Bienen und überhaupt für die Insekten. Die haben nichts davon bei den supergefüllten Dahlien, - die sehen ja auch toll aus, da gibt es nix zu sagen -, aber die Insektenwelt hat davon gar nichts.

U.:

Wie kommt das?

 

Martha:

Weil die so gefüllt sind, dass die Insekten da gar nicht rankommen. Weißt du, die Blüten sind ja so richtig voll, da können die Insekten nichts mit anfangen. Und wir haben hier mittlerweile Gottseidank Dahlien mit offenen Blüten, und das ist deshalb auch eine Riesenbienenweide.

 

Das ist überhaupt etwas Zentrales hier im Garten, was wir so ziemlich flächendeckend verwirklichen, dass wir mit offenen Blüten arbeiten. Das ist so ein Grundwissen für naturnahe Gartengestaltung. Es gibt da einen roten Faden, der heißt "Pflanze, Tier und Mensch". Also darauf zu achten, ist wichtig. Wenn ich eine gefüllte Dahlie so toll finde, super, kann ich ja toll finden, dann muss mir aber klar sein, dass das nur was für mich ist, aber nicht für die Pflanzen- und Tierwelt. Die können damit nichts anfangen.

U.:

Also, es soll etwas sein, was allen gut tut.

 

Martha:

Ja, hier steht es auch: "Lebensräume für Pflanze, Tier und Mensch".

Es geht darum, es zuzulassen und zu begreifen: Wir sind nicht alleine auf der Welt. Und wir haben keinen Anspruch darauf, alles für uns in Besitz zu nehmen, und alles, was nicht dazu passt, zu eliminieren.

Und hier wieder die offene Rose. Da ist die Blüte für die Bienen erreichbar. Wenn du daneben stehst, kannst du auch die Naturgeräusche von den Insekten wahrnehmen.

 

Rosen an einem Rankgerüst

Martha:

Ja, dann haben wir hier viele kreative Rankgerüste. Also, unser Anliegen ist es nicht, in den Baumarkt zu gehen, und uns ein Rankgerüst zu kaufen. Das ist für uns etwas ganz Wichtiges. Selber machen, gucken, was können wir.

Hier z.B. geht der Hopfen hoch, und an den beiden Stangen geht ein Blauregen hoch, in zwei verschiedenen Farben, das heißt, perspektivisch wird hier eine riesige Blumenwand entstehen, wo dann hier auch noch eine Verbindungslinie gebaut werden muss, weil das kein Selbstklimmer ist. Es gibt ja die Selbstklimmer, die Hartwurzeln bilden wie das Efeu, die das alleine können, aber das hier ist kein Selbstklimmer, der braucht ein Gerüst, wo der sich entlang hangeln kann. Also, wenn wir hier in drei Jahren stehen, Uschi, dann ist das hier ein Riesenblütenmeer und dann sind hier natürlich Plätze, die den Bienen wirklich was bringen.

Rotklee

Hier der Thymian, der fühlt sich hier unwahrscheinlich wohl, der breitet sich aus, das hätte ich wirklich nicht gedacht. Das ist das erste, was ich hier eingesät habe, das klappt echt gut.

Dann haben wir hier Rotklee, der kommt von alleine überall hin, ganz interessant, denn er ist ein ganz massiver Bodenverbesserer. Das kann man mittlerweile überall im Gelände sehen, dass der sich uns anbietet, die Erde zu verbessern. Auch sonst ist der Rotklee eine hochinteressante Pflanze, die hat so Hormonstoffe (der Rotklee enthält Phytoöstrogene), gerade für Wechseljahrsbeschwerden, und, man hört jetzt immer öfter, es gibt eine Krankheit, sie heißt Endometriose, bei der in der Gebärmutter Wucherungen entstehen, die sehr schmerzhaft sind, und der Rotklee ist dafür wohl ein sehr Erfolg versprechendes Heilkraut.

Der Rotklee ist also eine typische Frauenpflanze.

Hopfen und Fenchel

Hier haben wir Fenchel, schon einen richtigen Fenchelwald.

U.:

Den find ich wunderschön. So zart und weich sieht er aus.

 

Martha:

Ja, davon könnte ich wohl auch einen ganzen Wald anlegen.

 

Echinacea

Und hier haben wir so eine kleine Ecke mit Wundheilkräutern, das ist einmal Echinacea und einmal Schafgarbe. Schafgarbe ist auch etwas sehr Effektives und Einfaches, wenn es um Verwundungen geht. In Kriegen ist das massenhaft gesammelt worden, weil das blutstillend ist. Und wenn du dich mal schneidest, das ist ja eine ziemlich unangenehme Wunde, so ein kleiner Schnitt, wenn du da Schafgarbe um die Wunde, also einfach nur so ein Blatt rumwickelst, dann lässt erstmal der Schmerz sofort nach, und wenn du das dann irgendwann wieder abnimmst, dann findest du den Schnitt gar nicht wieder. Normalerweise heilen die ja schlecht. Das kannst du damit also erheblich beeinflussen.

 

Schafgarbe

 

Und hier haben wir ein Recyclingprojekt aus Kaffeetüten. Die hab ich dann halt bepflanzt mit Pfefferminze und verschiedenen Blumensorten, und der Titel ist "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold".

Wasservorrat für die Tiere

Hier entsteht jedes Jahr, - also wir sind ja nun schon hier im Gelände seit 2013, -, in diesem kleinen Eckchen eine andere Vegetation. Dies hier ist eine Eselsdistel. Letztes Jahr war alles voll hier mit Eselsdisteln, und dieses Jahr haben wir hier das Berufskraut, und dazwischen wächst ganz viel Hahnenfuß, diese gelben hier.

Ja, diesen Vegetationswechsel, also, ohne dass wir was dran gemacht hätten, den finde ich total toll. Der Hahnenfuß ist übrigens eine kalifornische Bachblüte, die heißt "Ich liebe das, was ich bin".

 

Und dort haben wir wieder so einen Totholzhaufen. Der ist schon von 2013. Da sieht man, dass der schon ins Poröse geht, so völlig zerbrechlich ist. Da kann man auch hier im Gelände so ein bisschen beobachten bei den verschiedenen Totholzhaufen, wie das Holz sich zersetzt und selber wieder zu Erde wird. 

 

Wir gehen weiter durch die Kreativgärten und Martha fährt fort mit ihrer Führung:

 

Und hier haben wir wieder so ein typisches Beispiel für offene Blüten, die Waldrebe. Das ist auch eine Rankpflanze. Die soll hier hochranken. Und sieh mal, hier ist eine Rose, die hab ich selber gezogen durch Stecklinge. Och guck mal, die kriegt schon eine Blüte. Und die wird dann von der anderen Seite hochranken.

Und da sind wir wieder bei dem Thema "Laubengänge bilden". Das ist dann hier schon mal einer. Hier vorne bildet sich einer durch diese beiden Weiden, da wird sich im Laufe der Zeit ein Laubengang bilden.

Sie bewegen sich schon aufeinander zu.

Die Karde

Das hier ist eine Karde, die bildet solche Zisternen, Wasserreservoire für Tiere, toll nicht? So etagenmäßig, und die bilden auch wunderschöne Blüten. Ja, wir haben einen regelrechten Kardenwald in diesem Jahr.

Die bilden so interessante Samenstände, davon habe ich mal einige gesammelt und die da vorne hingelegt. Und dann haben die sich selbst ausgesät. Und die bilden also diese Wasserreservoire für Tiere, das finde ich schon mal sensationell, eine tolle Bienenweide, und sie scheint vielen Menschen völlig unbekannt zu sein.

Und hier ist mein Besenginster, den ich mir gewünscht habe, und der von alleine gekommen ist. Guck mal, der wird hier schon völlig zugerankt. Die kalifornische Bachblütenessenz sagt dazu: "Ich bin wieder voller Zuversicht und Stärke".

Hier dahinter habe ich eine Hecke angepflanzt aus Sanddorn. Hier sind überall solche Heckensysteme angelegt. Sanddorn, damit sich hier so eine naturnahe Hecke entwickelt.

Hier sind wir im Nervenbeet mit den klassischen Nervenkräutern Melisse, Johanniskraut, Baldrian und Lavendel.

Und auch hier sind überall Wasserstellen, kleinere, größere. Wir haben zwar keine größere Wasserstelle hier, einfach aus Sicherheitsgründen, aber viele kleine, was ganz wichtig ist für den naturnahen Garten, und überhaupt für jeden Garten. Da wird oft nicht dran gedacht, dass die Tiere ja was trinken müssen. Deshalb haben wir an allen möglichen Ecken und Kanten Wasserpötte stehen.

Thymian

Ja, hier vorne haben wir noch das "Hustelinchen-Beet" mit den klassischen Erkältungskräutern für Hals und Nase, wie die Königskerze, den Spitzwegerich, Odermennig und Thymian. Das sind so die Klassiker.

 

Ja, und hier ist dann der nächste Bogen geplant: Da steht ein Pflaumenbaum, und da unten, wo der Pott steht, ist auch ein Pflaumenbaum, so ein ganz kleiner, der dann hier auch so einen Riesenbogen bilden wird, und der auch blühen wird, und der auch wieder Nahrung für Tiere sein wird, und der natürlich auch Pflaumen bringt. Auch hier gilt wieder: für die Menschen und die Tiere.

Hier haben wir eine Quitte. Also, Obstbäume haben wir schon sehr viele gepflanzt, die Quitte ist auch ein Heilbaum, auch hier wieder Blüte, Fruchtbildung, - für Pflanze, Mensch und Tier -, da haben alle was von, und für den Menschen ist es eine ganz interessante Heilpflanze, sie dient zur Kühlung. Ich weiß das auch nur aus Büchern. Also der Schleim von diesen Früchten, der muss wohl eine extreme Kühlwirkung haben bei allem, was heiß ist, also bei Fieber, Grippe usf. Veronika ist ja ein absoluter Fan von Quitten, die verarbeitet sie auch gerne zu Gelees und Marmeladen. Das ist auch so eine alte Kulturpflanze. In den gängigen Geschäften gibt’s ja keine Quitten, obwohl das so ein uraltes Gewächs ist, was früher in den Gärten präsent war.

 

Es ist uns ein Anliegen, solche Dinge wieder sichtbar zu machen. Und perspektivisch ist hier geplant, ich habe auch schon damit angefangen, ein Beet mit Heilpflanzen für innere Organe anzulegen. Hier den Weißdorn habe ich schon, für Herzerkrankungen, ja, mal gucken, was dann hier noch so passt.

Mohnblumen, Margeriten und Fingerhut

Hier sind wir nun im Bereich von Marion und Axel, der Bereich mit den Holzfischen, die hat Marion jetzt alle neu lackiert. Und hier sieht man wieder jede Menge Blüten. Hier die Kornblumen, da die Margeriten und die Mohnblumen. Was haben wir noch? Hier steht die Lupine.

 

 

Wildrose

Und da vorne ist die Wildrose, die ist wieder ein typisches Beispiel für offene Blüten. Es gibt ja auch Rosen, die sind so gefüllt, die haben in einem naturnahen Garten nicht so einen Stellenwert. Die sehen zwar toll aus, da gibt’s nichts dran zu meckern, aber da muss man einfach wissen, für die Tierwelt bringt das nichts. Wenn du den ganzen Garten mit solchen supergefüllten Blüten hast, ist das schön, nicht, aber das bringt den Tieren nichts. Es geht also darum, möglichst Wildrosen zu etablieren. Und da ist auch die Fruchtbildung wichtig, denn da werden ja die Hagebutten gebildet, wieder eine wichtige Überlebensnahrung für die Tiere. Und auch für den Mensche sind sie sehr wertvoll - sie sind ja extrem Vitamin-C-haltig -, z.B. in Marmelade von Hagebutte, in Likör, und, und, und. Das Interessante ist, wenn man sich das mal überlegt, - der Mensch hat auch immer was davon. Das muss sich nicht widersprechen, dieses System "Pflanze, Mensch und Tier". Im Gegenteil, wenn man sich damit auskennt und sich damit beschäftigt, dann wird man sehen, dass alle was davon haben.

Alte Schuhe als Blumentöpfe

Siehst du, hier wird wahrscheinlich die Pumpe etabliert werden.

 

Und hier auch wieder ein Baum, eine Sauerkirsche. Früher hieß das hier "Gemüsegarten", das habe ich jetzt "Querbeet für Querdenker" genannt.

 

U.:

Das hier finde ich auch sehr schön. Was wächst denn eigentlich in diesen Schuhen?

 

Martha:

Ich habe da einfach nur Erde reingetan, und dann, mal gucken, mal überraschen lassen, was so kommt. Das hier sieht schon mal nach Melde aus, also Spinat.

 

Hier haben wir auch wieder ein Apfelbäumchen, das ist dieses Jahr brechend voll, das hab ich schon abgestützt.

 

Kommunikationsplatz im Bachblütengarten

Ja, dann haben wir immer, wie jetzt hier auch, Kommunikationsplätze, die immer möglichst mehreren Menschen Platz bieten, denn wenn nur eine Bank da steht, kommt in der Regel keine Kommunikation in Gang, - also unter fremden Menschen. Es muss etwas sein, meinetwegen, da sitzt schon einer, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich da noch einer hinsetzt, sehr hoch, und man kommt ins Gespräch. Also, das ist etwas, das sich hier im Gelände immer wiederholt, so dass sich ruckzuck fünf, sechs, sieben, acht Menschen hier versammeln, egal, aus welchem Grund. Das ist echt ganz wichtig hier, weil es auch ein Anliegen von uns ist, hier Kommunikation - über die Gärten, über Natur, über Gott und die Welt, über was es auch ist - in Gang zu setzen.

 

Eine Knochensammlung

Ja, hier haben wir so einen Knochen, einen Beckenknochen vom Hund. Ich finde Knochen so toll, die haben eine Präzision, das finde ich wahnsinnig. Ich finde immer wieder Knochen im Busch. Auch diese Knochenformation haben wir gefunden. Hier sieht man noch die Gelenkpfanne von einem Tier, da vorne sieht man noch die Beine.

 

In diesem Gärtchen hier geht’s nun um alte Gemüsesorten, das ist mir ein Anliegen, so wie die Quitte eben, das Verschollene wieder sichtbar zu machen, auch die Verbindungslinien zwischen Wildgewächs und Kulturpflanze. Ein Beispiel habe ich schon, das ist ein Chicoree, der da vorne so groß ist, ein Chicoree, der jetzt in die Blüte geht, und man wird sehen, - interessant ist, dass Veronika auf der anderen Seite des Gartengeländes ganz viel Wegwarte hat. Und die Wegwarte ist die Urform, und daraus ist der Chicoree gezüchtet worden. Du kannst also in Kürze sehen, dass beide von der Statur, so wie die Pflanze aussieht, die Blütenbildung und der Geschmack identisch sind.

 

Hier haben wir eine Schwarzwurzelart, das ist auch eine alte Gemüsesorte, sie treibt jetzt in die Blüte, und da kann man sehen, es gibt eine Wildform, die heißt Wiesenbocksbart, ich hoffe, - ich habe da schon ganz viel Samen ausgestreut -, dass die sich hier etabliert, da kannst du sehen, woraus das gezüchtet worden ist, diese Ähnlichkeit von der Statur, vom Geschmack, das finde ich echt spannend.

Porree in Blüte

So, jetzt habe ich ein paar Gemüsepflanzen, die es geschafft haben. Hier z. den Porree.

 

Wir haben ja immer noch unverändert ein Wasserproblem. Mit dem Gemüseanbau wird das erst wirklich was werden, wenn wir eine Wasserversorgung haben. Das ist im Moment natürlich noch sehr nervig.

Wilde Möhre

Hier sind dicke Bohnen, hier die rote Melde, auch eine alte Gemüsesorte, und auch hier eine alte Sorte von Möhren, die sind ja ursprünglich nicht so rot, wie wir das kennen, sondern die sind weiß. Diese Sorte, die ich hier gezüchtet habe, ist der wilden Möhre noch am ähnlichsten. Das ist so eine alte Sorte, die nicht auf dem Markt ist. 

Das hier ist die Blüte von Radieschen. Und wenn du mal eine ganze Blüte isst, dann kannst du das wirklich rausschmecken.

Schmeckst du es?

Du kannst nämlich, egal, was es ist, an Hand der Blüte schmecken, was es ist.

Rankgerüst von Reinhard Eustermann

Das ist hier ja ein Gemeinschaftprojekt, und das ist auch das Besondere daran, dass das so ein gemeinschaftliches Ding ist, von mehreren Menschen, und dass es eine offene Gruppe ist, so dass, wenn jemand sagt, ich möchte hier echt gern mitmachen, das geht. Und das ist etwas Besonderes hier, dass das nicht so ein geschlossener Raum ist, sondern dass der offen ist, und deshalb ist das auch so toll, dass das wie mit dem Gelände ist, denn das ist ja offen, wenn es zaunfrei bleiben kann.

 

U.:

Ja, so wie du sagst, ihr seid für alle Pflanzen offen, das entspricht ja dem, wenn du sagst, ihr seid auch für die Menschen offen.

 

Martha:

Genau. Es ist ein offenes Projekt für alle und alles. Also wer mitmachen will und das hier nach seinen Möglichkeiten gestaltet, der kann das machen. Und das finde ich auch gut, diese unterschiedlichen Handschriften. So sind Marion und Axel hier vertreten, Reinhard überall, weil der alle diese Gerüstgeschichten macht, und das kann auch keiner so, außer Reinhard. Wie z.B. hier der Torbogen, den finde ich einfach toll. Ich hab die Rosen da hingepflanzt, das war 2014, und ich wundere mich, dass sie in diesem Jahr so blühen. Aber ohne Reinhards Rankgerüst wäre es schlecht. Die Rankgerüste und die Zäune aus Stöcken hat Reinhard mit Eisen ganz fest gemacht, so dass sie nicht umkippen können.

Und hier sind die echten Erdbeeren. Das ist so interessant, dass es zwischen den alten und den neu gezüchteten Pflanzen so viele Ähnlichkeiten gibt, aber auch Unähnlichkeiten.

Ich mache hier ja eigene Samenproduktion, indem ich immer die Gemüse in die Blüte treiben lasse. Und das ist jetzt ein roter Kohlrabi. Wenn du diese Schoten probieren würdest, würdest du auch sofort schmecken, was das ist.

 

Der vierblättrige Klee war plötzlich in Marions Gartenbereich aufgetaucht.

Ja, und immer wieder das bewusste Zulassen. Wir gehen hier immer wieder durch den Garten, meistens abends, auch Axel und Marion kommen oft am Abend dazu, wo wir immer Neues entdecken und uns sagen: Was es alles gibt! Und was wir auch gar nicht kennen, obwohl wir doch alle pflanzenkundig sind. Auf einmal wächst dann da etwas, was wir noch gar nicht gesehen haben. Etwas verschwindet, und dann kommt da etwas ganz anderes hinzu!

 

Auch der "Sommerneuschnee" kam ganz unerwartet mit seiner Blütenpracht. Martha fühlt sich wohl in ihrem "Sommerneuschnee-Zauberwald".

 

Martha:

So, da kommen wir jetzt zu Veronikas Gelände. Guck mal hier, eine wunderschöne, naturnahe Blütenvielfalt. Und hier kann man mal sehen, wie so ein Blühstreifen aussieht, im Vergleich zu einer Rasenfläche. Diese orangen Blüten hier, das ist kalifornischer Mohn. Und hier, das ist Giersch, der blüht gerade, der wird intensiv von Insekten beflogen, guck dir das mal an. Ja, das ist der Giersch, mit dem viele Leute ein intensives Problem haben.

Hier ist ein Riesen-Pfefferminz-Feld, da muss man sich eigentlich mal einen Stuhl hinsetzen, wenn das in Blüte ist, dann ist hier eine riesige Insektenwolke.

U.:

Und Veronikas Gelände hier ist dabei, ein Bachblütengarten zu werden?

 

Martha:

Ja, das hier wird ein Bachblütengarten.

Dr. Edward Bach war ja ein englischer Arzt, der von 1886 bis 1936 lebte. Er lernte die Homöopathie kennen und praktizierte sie in seiner Praxis in London. Er hat irgendwann bemerkt, dass bei der Behandlung der Patienten etwas fehlt, dass die Behandlung sich nicht ausschließlich auf die körperlichen Symptome konzentrieren darf, und hat nach pflanzlichen Mitteln zur Heilung gesucht. Er hat schließlich alles aufgegeben, ist aufs Land in Wales gezogen und hat mit Pflanzen geforscht. Er kam zu der Überzeugung, dass die negativen Gemütszustände die eigentlichen Ursachen von körperlichen Erkrankungen sind. Am Ende hatte er 38 Blütenessenzen entdeckt, mit denen er alle gefundenen negativen Gemütszustände der Patienten beeinflussen und sie in positive Gemütszustände verwandeln konnte.

Es gibt zwei von Dr. Bach entwickelte Verfahren zur Herstellung der Bachblüten, das sind die Sonnenmethode und die Kochmethode. Dabei geht die Essenz der Pflanze in das Wasser über, und dann hat man die Blütenessenz, die ja allgemein bekannt ist. Die kannst du selber machen, aber du kannst sie auch in der Apotheke kaufen.

Veronika hat die beiden Methoden und die bisher gepflanzten Bachblüten in "Spaziergang durch den Bachblütengarten" beschrieben.

Martha:

Veronika hat mit den Bachblüten angefangen, und es sollen noch viele weitere folgen.

So, jetzt sind wir gerade bei der "Rock Rose", dem Gelben Sonnenröschen, das ist auch eine Teil-Essenz von

"Rescue", die steht für panische Angst im negativen Zustand und führt zu Gelassenheit und Mut.

Hier haben wir "Cerato", das ist der Bleiwurz, die Intuitionsblüte. Dafür will Veronika noch einen kleinen Teich anlegen, weil es sich um eine Teichpflanze handelt. Ich hab sie jetzt extra mal in Wasser gestellt, damit etwas aus ihr wird. "Cerato" steht für Ignoranz im negativen Zustand und für Weisheit im positiven.

Stechginster

Und hier steht "Gorse", der Stechginster, der bedeutet absolute Hoffnungslosigkeit im negativen Gemütszustand, und im positiven Zustand erlebt man wieder Hoffnung.

Bach hat ja festgestellt, dass, egal welche Erkrankung man hat, alles einem Gefühlszustand zuzuordnen ist. Seine Theorie ist, dass wir an erster Stelle Geistwesen sind, und dann erst alles andere kommt. Das ist ja das, was er erforscht hat in seinem Leben, und daraus ist seine Therapie entstanden.

U.:

Dass Geistwesen auch mit Geistigem behandelt werden sollten.

 

Martha:

Genau.

Da wir alle Geistwesen sind, und weil das das Zentrale in unserem Leben ist, und nicht das Materielle, ist natürlich alles auf der Geistebene zu erreichen, und darauf fußt die Bachblüten-Therapie.

Hier sind wir nun bei der "Wild Rose", der wilden Rose, die bedeutet Teilnahmslosigkeit, Energieverlust und hilft, etwas mit Hingabe zu tun.

Und hier die wilde "Clematis", die Weiße Waldrebe, die steht für Gleichgültigkeit und auch, im Alten festzuhängen, - man hängt so in der Vergangenheit fest und kriegt nicht den Sprung in die Gegenwart -, und sie hilft bei der Lebensgestaltung.

So, hier haben wir jetzt ganz viel Wegwarte, worüber ich vorhin schon geredet habe, nämlich drüben beim Chicoree, das ist nämlich die Wildform davon. Und man sieht schon an den Favoriten, - jeder hat ja so besondere Dinge, die er gut findet -, was so dessen Ding ist, es ist ein deutliches Signal, und wenn jemand auf "Chicory" - Wegwarte steht, da kann man sehen, was das mit ihm zu tun hat, denn das ist die "Mütterlichkeitsblüte".

Vorbereitetes Ringelblumenbeet

Und hier das Rondell, das Veronika angelegt hat, für ihr Ringelblumenbeet.

 

(Veronika beschreibt ihr Beet genau auf der Seite "Venusblume, liegende Acht und die Freiheit der Pflanzen".)

Wenn die Ringelblumen im Ringelblumenbeet blühen.

 

Und hier wieder eine Bachblüte, nämlich "Vine", der Wein, auch "Autoritätsblüte" genannt.

Hier haben wir "Holly", die Stechpalme, eine Pflanze zum Thema Neid, Hass und Eifersucht.

Und hier ist "Cherry plum", die Kirschpflaume,  "Gelassenheitsblüte" genannt, auch eine Teilessenz der Rescue-Tropfen.

Wir gehen weiter und Martha erklärt:

 

Hier ist die Trompetenblume, eine sehr intensive Rankpflanze, die wird das hier im Nullkommanix beranken, dieses Gestell hier, die bildet ganz große, orangefarbene Blüten. Das ist eine Schlingpflanze. Ich habe sie auf der einen und der anderen Seite des Rankgestelles gepflanzt, und die wird das in ein Blumenparadies verwandeln. Hier haben wir wieder eine Blumengalerie in verschiedenen Pflanzbehältnissen, eine Blumenweide für Bienen, Hummeln und andere Insekten, - wie man sieht, wird sie intensiv angeflogen. Wenn du hier sitzt, sitzt du mitten in einem Insektenhotel.

Klatschmohn

Im Moment finde ich ja den Klatschmohn ganz witzig, da fallen jeden Abend alle Blüten ab, also am Abend ist das Beet komplett leer, und morgen früh ist es ein Riesenfeuerball. Also jeden Tag, bis dann irgendwann Schluss ist. Wahnsinn.

Ja, hier wieder die Trompetenblume, übrigens auch eine kalifornische Blütenessenz mit der Bedeutung "Ich bringe mich selbst sicher und natürlich in Gespräche ein". Das heißt, wenn du hier durchs Gelände gehst, dann findest du ganz viele Affirmationen.

Also, hier kannst du unmöglich wieder rausgehen, wie du reingekommen bist. Das geht gar nicht.

Wenn man hier ist und sich Ruhe und Zeit dafür nimmst, - das Gelände ist nicht dafür geeignet, schnell durchzurennen -, nur dann hat man die Chance, das aufzunehmen.

 

Zum Schluss unseres Spaziergangs erzählt Martha:

 

Ich hab gestern noch etwas Interessantes erlebt, da war ein Ehepaar aus Münster hier, die kamen hier an, wollten aber eigentlich nach Nottuln zu einer Familie Rombach, die auch bei den Offenen Gärten mitmachen, die haben einen Garten, der das hundertprozentige Gegenteil von unserem ist. Und dieses Ehepaar landet ausgerechnet bei uns!

Dann habe ich gesagt, sie könnten ja mal durch unseren Garten gehen. Die Frau konnte sich gar nicht mehr lösen, und mit dem Mann habe ich mich eine Weile unterhalten, und da fragte er, wieso denn bei uns Erdbeeren dran sind, bei ihm wären gar keine Erdbeeren dran. Und da habe ich ihm gesagt:  Wir arbeiten in Kooperation mit der Natur, und wir meditieren in der Natur und mit der Natur, mit den Pflanzen und den Tieren. Und dann hat er erzählt, dass er gestern hundertfünfzig Schnecken getötet hat. Und ich habe ihm gesagt: Ja, genauso geht das: Je mehr Schnecken Sie töten, desto mehr kommen. Das ist ein ganz einfaches, natürliches Prinzip. Und wie es denn damit wäre, z. B. das Buch zu lesen "Heute schon eine Schnecke geküsst?" von Eike Braunroth.

Also, ich glaube, die beiden sind ganz anders weggefahren, als sie gekommen sind.

U.:

Liebe Martha, Ich bedanke mich herzlich für den schönen und spannenden Spaziergang mit dir durch die Kreativgärten.

Kontakt zu Martha Wieskus hier