RÜBEZAHL

Peter Bolle nach der Fertigstellung seiner Skulptur "Rübezahl" im Daruper Hohlweg

Skulptur "Rübezahl" von Peter Bolle im Daruper Hohlweg

 

RÜBEZAHL, HERR DER BERGE

 

 

Einmal bin ich Rübezahl begegnet,

dem, den die Menschen auch „Berggeist“ nennen

oder „Herr der Berge“.

 

Er schreitet daher in Riesenschritten,

ohne zu zerstören,

denn er selbt ist Geist.

Sein Gang ist wogend

wie die Äste der Bäume im Wind.

Er ist ganz Natur, Teil der Landschaft, der Bäume,

der Lebewesen um ihn herum.

Sein Mantel ist der Wald mit seinem Duft,

sein Bart Wurzelgeflecht,

sein Haupthaar Kronen der wilden Bäume.

 

Seine Stimme ist tief und hallend,

als er zu mir spricht:

Ich bin Krakonos, ich bin Wotan, sagt er.

Ich bin die Verantwortung der Natur, ihr Wille,

ihre Schöpferkraft.

Ich bin ihre Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Ich bin der Weltgeist, der Erdenhüter,

der sich speziell für die Belange der Erde engagiert.

Und das ist eine wirklich gute Aufgabe,

da die Erde ein so unendlich liebevolles Wesen ist,

das alles verzeiht, - weil sie weiß,

dass die Menschen hier

lernen müssen,

und dies auch durch Irrtümer,

Schuld und Zerstörung tun,

und weil sich die Erde dafür zur Verfügung stellt.

 

Vielfältig ineinander verflochten zeigt sich die Natur.

Nichts ist allein. Nichts existiert für sich.

Sieh das Muster, das die Verflechtungen ergeben:

Wie Webmuster, wie Flechtmuster aus alter Zeit,

mäanderartig greift eines in das andere.

Damit sind die Pflanzen gemeint, die Tiere,

die Menschen,

die Wolken, der Regen und die Sonnenstrahlen,

die Erde selbst bis in ihre Tiefen.

Es ist wie ein Reigen, der schon ewig besteht

und ewig weitergeht,

mal hierhin, mal dorthin greifend.

Und alles ist durchwebt von Musik,

den verschiedensten Klängen,

den hellsten und den tiefsten Tönen.

Hörst du sie? Alles ist verzaubert durch Klang.

Alles ist Singen in den schönsten Weisen,

während du hindurchgehst und nur das Äußere siehst, -

die kleine Schafgarbe, die dichte Brombeerhecke,

die anmutige Weide, den starken Fels.

Ich liebe dies alles sehr als einen Teil von mir

und zugleich außerhalb von mir.

 

Wenn du das Innere der Natur sehen, hören,

fühlen könntest, wärst du erstaunt

über das, was immer um dich ist,

ohne dass du es wahrnimmst.

Es ist eine unendliche Welt

voller ineinander greifender Arme,

voller ineinander fließender Töne,

voller berauschender Düfte.

Du würdest, wenn du sie wahrnehmen könntest,

eine Schicht nach der anderen durchschreiten,

durch sie hindurchfliegen, hineintauchen

und in einer anderen wieder

an die Oberfläche kommen,

ohne Ende.

Das, was du an Worten und Weisen hörst,

an Düften und Farben wahrnimmst,

ist nur die dünne Oberfläche dessen, was ist.

Wie du siehst, ist mein Mantel ein Teil der Erde selbst,

bewegt von Wind und Regen, durchstrahlt von Sonne

und dem Licht der Gestirne.

Wo ich gehe, verändert sich mein Mantel

und mit ihm meine Gestalt,

denn beides spiegelt die wunderbare Natur

mit all den sichtbaren und unsichtbaren,

hörbaren und unhörbaren Eindrücken.

 

Mein Mantel ist Schutz, Spiegel, Abbild

und tanzender Irrwisch in einem,

der euch manches spiegelt, doch vieles verbirgt,

bis es Zeit ist für euch, alles zu sehen,

wahrzunehmen, zu entdecken, zu entschlüsseln.

Mein Mantel ist Spiegel und Vorhang zugleich.

 

 

Im Grunde bin ich nicht der Riese mit den

schweren Schritten,

wie die Menschen angesichts des dunklen,

undurchdringlichen Waldes glauben,

sondern ein Wesen, das das Schwere und Leichte,

das Harte und Sanfte,

das lebendig Fließende und schwer Haftende

gleichermaßen darstellt.

Denn ich bin wie die Natur selbst.

Da gibt es keinen Unterschied.

Gaia, die Deva der Erde in ihrer Seelen- und

Bewusstseinsweise

und die Verantwortung

und der Wille der Natur als meine Wesensart

sind eins.

Die Deva der Erde strahlt von innen nach außen,

ich, der Erdgeist, strahle von außen nach innen,

und irgendwo dazwischen begegnen wir uns unablässig

und sind eins.

 

Ich bedankte mich bei Rübezahl,

dem großen Erdgeist und Hüter der Erde,

für diese Begegnung.

 

                                                       ©  Ursula Sewing

 

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